Sauerteigbrot und Zuckerkuchen in der Mongolei

Deutsches Backhandwerk auf Reisen

Mongolei, Murun und Brot und Kuchen – das ist ja nicht der erste Gedanke der Einem bei der Partnerschaft in den Sinn kommt – oder was wird denn eigentlich in der Mongolei gegessen? Gibt es da denn überhaupt Brot oder Blechkuchen und können wir Brötchen zum Frühstück haben. Ja, gibt es und Backwaren sind sehr beliebt und werden auch als Beruf an der staatlichen Berufsschule in Murun ausgebildet. Das hat natürlich den Bäcker Stephan Sembritzki vom „Merzdorfer Landbrot“ interessiert und er ist im Herbst 2024 und 2025 in die Partnerstadt Murun mitgefahren um sein Wissen um das deutsche Backhandwerk dort vor Ort mit den Lehrkräften und Auszubildenden zu teilen. Über seine Erfahrungen dort und die Idee junge Mongolen hier in Merzdorf auszubilden werden wir in dem Beitrag mehr erfahren. Diese Ebene partnerschaftlicher Zusammenarbeit zwischen Baruth/Mark und Murun setzt den Ansatz fort die globale Entwicklungszusammenarbeit auf praktische Füße zu stellen und erfahrene Handwerker aktiv einzubeziehen – und um zukünftig in Murun dann auch Merzdorfer Steinofenbrot genießen zu können.

Ihr Karsten Wittke, Koordinator kommunaler Entwicklungspolitik


Der Workshop an der Lehrbäckerei der Muruner Berufsschule
(ein Reisebericht aus dem Oktober 2025)

Die Neugier war auf beiden Seiten sehr groß. So ein riesiger Mann mit weißer Mütze und kurzer Hose (ebenso wie bei mir in der Bäckerei) steht vor sehr vielen neugierigen Augen und stellt sein Handwerk vor. Mich hat die Begeisterung der jungen Leute spürbar mitgerissen, genauso wie ihre Fingerfertigkeit im Umgang mit Brotteig. Es reichte eine kurze Vorführung und binnen Sekunden konnten sie fast genauso arbeiten wie ich.

Die Lehrbäckerei in Murun ist mit europäischen, bzw. deutschen Lehrbäckereien nicht zu vergleichen. Es ist alles etwas primitiver, die Technik funktioniert schlecht oder ist defekt. Das hat mich nicht gestört, ich bin ja Handwerker und kann mit meinen Händen arbeiten und auch kneten.

Warm Wasser aus der Wand gibt es nicht, Hände waschen wie bei uns, unter fließenden Wasser ist nicht drin. Dafür gab es eine Vorrichtung, in der oben das warme Wasser hineingefüllt wurde und über einen großen Trichter in einen Eimer später aufgefangen wird.Aber es ist alles sehr sauber und ordentlich in der Lehrbäckerei. Fällt mal ein Krümel vom Tisch wird er sofort aufgefegt und entsorgt. Die Arbeitsflächen werden nach jedem Arbeitsschritt gereinigt und abgewischt.

Respekt aus meiner Sicht für die hygienischen Bedingungen und wie sie eingehalten werden. Egal ob in der Lehrbäckerei, wie auch in größeren Betrieben in denen ich gebacken habe.

Sauerteigbrot und Blechkuchen

Im Vorfeld der Reise habe ich mich über die Rohstoffbedingungen in der Mongolei schlau gemacht und dem entsprechend meine Koffer gepackt.

Meinen Sauerteig habe ich von Merzdorf dorthin mitgenommen. Ich benötige dafür meine eigenen Kulturen. Genauso habe ich einige Kilogramm Roggenmehl aus meiner Bäckerei eingepackt, um den Sauerteig richtig ansetzen zu können. Des Weiteren kamen noch ein paar Stücken Bäckerhefe und viele Utensilien zum Backen für die Schüler in den Koffer.

Also in der Mongolei gibt es einige Sorten an Brot, auch mit Sauerteig. Dieser wird aber aus Weizenmehl und mit Jogurt angesetzt und weitergeführt. Auch wurde mir stolz dunkles Brot präsentiert, dieses ist aber nur mit Malz eingefärbt und dementsprechend roch es auch in der Krume. Vom Geschmack her ist mongolisches Brot recht nüchtern, dass kommt durch den Weizensauerteig, der nicht so viel Säure beinhaltet und das Gebäck leichter schmecken lässt.

Blechkuchen, wie man ihn hier in Baruth und Umgebung kennt gibt es dort nicht. Das war für die Schüler und Lehrer absolutes Neuland und für mich eine wahre Freude ihn dort backen zu können. Gebacken haben wir klassischen Streuselkuchen, Bienenstich mit braunen Mandeln und Butter-Zucker-Kuchen. Ich sag es mal so, es roch in der Bäckerei wie früher bei Muttern oder Oma in der Küche, wenn der jedes einzelne Blech aus dem Ofen kam. Einfach himmlisch lecker. So warm der Kuchen auch war, wurde es auch gleich angeschnitten und verkostet. Diesen Augenblick kann man einfach nicht beschreiben, den muss man erlebt haben. Alle Daumen gingen nach oben und mit den Händen wurde sich der Bauch gerieben, weil es so lecker schmeckt.

Praktikum zum Bäckerhandwerk in Merzdorf

Die Faszination von den Fähigkeiten und Fertigkeiten der jungen Schüler hat mich die ganze Reise über begleitet und bis nach Deutschland verfolgt. Mit der Idee hier Lehrlinge auszubilden bin ich ganz schnell abgekommen. Warum?

Einem kleinen Handwerker werden hier in Deutschland so viel Steine in den Weg gerollt, damit diese Idee nicht zu realisieren ist. Es fängt mit den Sprachkenntnissen an, geht über Beherbergungsmöglichkeiten weiter und der Jugendschutz hat da auch noch ein Wörtchen mitzureden.

Doch meine Idee hat jetzt einen anderen Namen, ein Praktikum für einen Monat hier in Deutschland.

Die Praktikanten sind nicht so lange von zu Hause weg und werden nicht nur in einem Betrieb geschult. Sie sind mindestens 18 Jahre alt und die Kommunikation geht über englisch, russisch und mit Händen und Füßen recht ordentlich. Außerdem haben alle ein Wischtelefon heut zu Tage auf dem ein Übersetzer installiert ist.

Warum hat der Jugendschutz ein Wörtchen mitzureden?

Der klassische Bäckerberuf in Deutschland ist mit Nachtarbeit verbunden und Jugendliche unter 18 Jahren dürfen frühestens um 5.00h anfangen zu arbeiten.

In der Mongolei ist das völlig anders. Dort fangen alle um 7.00h an zu arbeiten, egal welches Gewerk sie ausführen. Auch die Bäcker! Die Nachtarbeit ist auch ein Grund, warum es fast keine Lehrlinge im Bäckerhandwerk gibt. Das ist aus meiner Sicht sehr schade und ich schaue mit Besorgnis in die Zukunft was das Bäckerhandwerk angeht.  

Mongolisches Brot in Merzdorf und Merzdorfer Brot in der Mongolei

Brot nach mongolischen Rezept wird es in absehbarer Zeit in Baruth und Umgebung bald geben. Wie ich schon erwähnte, wird in der Mongolei mit Weizensauerteig gebacken. Da bin ich momentan mit mongolischen Bäckern und deutschen Brotsommelie`s beim Erfahrungsaustausch über Ansatz, Führung und Veredlung. Das braucht noch etwas Zeit, da ich mein Tagesgeschäft auch aufrechterhalten muss. Eine Filiale in Murun, das wäre der Hammer. Wenn das Wörtchen „wenn“ nicht wäre. Rohstoffe, Controlling, Korruption, Technik die funktioniert und und und…

Aber was nicht ist kann noch werden und eventuell findet sich in Murun ein Bäcker, der nach meinen Rezepten dort Merzdorfer Landbrot und leckeren Blechkuchen bäckt. Aus meiner Sicht bin ich für fast jeden Spaß zu haben.